KZ-Außenlager Großraming

Gründung des Konzentrationslagers

Das KZ-Außenlager Großraming war ein Teil des „Gemeinschaftslagers Ennskraftwerkbau“ und wurde am 14.Jänner 1943 gegründet. Die Baracken wurden im Dezember 1942 und in den ersten beiden Jänner-Wochen 1943 aufgebaut.

Lokalisierung

Das ehemalige KZ befand sich direkt neben dem Fluss Enns auf dem Gebiet der Gemeinde Reichraming, ca. 30 km südöstlich von Steyr, und bildete einen Komplex von 14 Baracken. Das KZ-Außenlager wurde direkt an der Eisenstraße leicht in den Hang verbaut und war mit einem hohen, elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun umgeben, der von Wachtürmen verstärkt wurde. In der Mitte des Konzentrationslagers befand sich der Appellplatz.

Informationen über die Häftlinge

Fast die Hälfte der Häftlinge bestand aus politisch verfolgten Menschen aus Jugoslawien, weitere kamen aus Deutschland, Polen, Russland, Griechenland, Spanien und weiteren Ländern. Insgesamt wurden etwa 1.800 KZ-Häftlinge zwischen 19 und 56 Jahren nach Großraming transportiert, der Höchststand von 1.027 wurde am 13. Juli 1944 verzeichnet. Die schwere Zwangsarbeit, die mangelhafte Versorgung und die Gewalttaten der SS forderten 227 namentlich bekannte Todesopfer. Die tatsächliche Zahl dürfte aber viel höher sein, weil beinahe ein Drittel der Häftlinge - als arbeitsunfähig eingestuft - sofort nach Mauthausen rücküberstellt und durch neue ersetzt wurden. Nach Angaben der SS wurden 17 Häftlinge „auf der Flucht erschossen“ und sieben begingen Selbstmord.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge im KZ-Außenlager Großraming wurden sowohl beim Kraftwerksbau als auch bei den Erschließungsarbeiten eingesetzt. Die Bauunternehmen Rella & Co und Kunz & Co führten den Bau des Kraftwerks durch. Für die schweren ersten Erd- und Steinarbeiten wurden hauptsächlich KZ-Häftlinge mit einfachem Werkzeug und Scheibtruhen herangezogen. In dieser Zeit, Jänner 1943 bis Juli 1943, stieg die Sterberate der Häftlinge stark an.

Bewachung

Namentlich bekannte SS-Leute im KZ-Außenlager waren die Lagerleiter SS-Obersturmführer Karl Schöpperle, SS-Obersturmführer Julius Ludolf und SS-Untersturmführer Hans Altfudisch. Dazu wurden noch die Schutzhaftlagerführer Kofler, Hans Riegler und Herbert Winkler genannt. Weitere Mitglieder der Wachmannschaft waren Siegfried Buhr, Josef Schiller, Gottlieb Muzikant und der Leiter des Hundezwingers Fritz Schallenberg. Die im KZ Mauthausen üblichen Strafen, Folterungen und Mordarten waren mit Ausnahme von Giftgas auch im Außenlager Großraming zu finden: Baum, Bock und Bunker, Erschießen, Erhängen, in den elektrischen Zaun zwingen, Ertränken, Erschlagen, von Hunden zerreißen und verhungern lassen.

Schließung

Die Bauarbeiten am Kraftwerk wurden im September 1944 weitgehend eingestellt und die verbliebenen Häftlinge am 29. August 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen überstellt. Im Dezember 1944 wurde im KZ-Lager mit den Vorarbeiten für den Rüstungsbetrieb einer Fabrik begonnen.

Gedenken und Erinnern

1995 wurde von der Ennskraftwerke AG gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee Steyr eine Gedenktafel errichtet. Ein weiteres Denkmal wurde 2009 im Großraminger Kreisverkehr errichtet und gedenkt der ermordeten Häftlinge.

Fotos (Aktuell, Historisch, Topografie und Luftaufnahmen)

Denkmal im Kreisverkehr
Flugzeugflügel
Gedenktafel an der Staumauer
Informationstafel in der nähe vom Kreisverkehr
KZ-Großraming, Aufnahme nach der Auflösung des Lagers; 1945
Katasterplan 1:5.000, Großraming Staumauer und ehem. KZ-Gelände
Katasterplan 1:1.000, ehem. KZ-Gelände Großraming
Überblick 1:10.000 mit GPS-Daten; 1: Denkmal im Kreisverkehr 2: Staumauer Kraftwerk 3: ehem. KZ-Gelände, heute Siedlung