Lernorte

Die Steinbrüche prägten die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen, die im KZ Mauthausen inhaftiert waren – sie waren Orte des Terrors. Die Produktionen in den Steinbrüchen wurden ab Herbst 1943 verringert, und der Großteil der Häftlinge wurde an die Rüstungsindustrie "vermietet", die dazu an den Industriestandorten in enger Zusammenarbeit mit der SS zahlreiche Außenlager erbauen ließ. Die KZ -Häftlinge mussten unter unvorstellbaren Umständen arbeiten, die Todesrate in manchen dieser Außenlager war enorm hoch. Die dafür errichteten Außenlager verteilten sich ausgehend vom Umkreis Mauthausen in nahezu allen Bundesländern Österreichs unter kriegswirtschaftlichen, ressourcen- und verkehrstechnischen Aspekten. So wie zuvor in den Steinbrüchen, stand auch hier die Profitmaximierung für die Industrie und die SS ohne jede Rücksichtnahme auf Menschenleben im Vordergrund.

Seit 2011 ermöglicht das MKÖ mithilfe von ausgebildeten und zertifizierten Mauthausen-Außenlager-Guides Begleitungen an Orten der ehemaligen Außenlagern.

Die Begleitungen werden an 22 Orten ehemaliger Außenlager durchgeführt: Guntramsdorf/Wiener Neudorf, Hirtenberg, Hinterbrühl, Melk, Redl-Zipf, Lenzing, Vöcklabruck, Gusen I, Gusen II, Gusen III, Ternberg, Großraming, Dipoldsau, St. Valentin, Steyr, Peggau, Wagna/Leibnitz, Bretstein, Schloss Lind, St. Lambrecht, Loibl Nord und Loibl.

Bei der Konzipierung wurde darauf geachtet, dass sowohl die Sichtbarkeit von Relikten als auch die Kombination mehrerer ehemaliger KZ-Außenlager gegeben ist. Durch die Mauthausen-Außenlager-Begleitungen werden Gedenkorte ehemaliger Außenlager des KZ-Mauthausen als Lernorte für junge Menschen genutzt, um ihnen Faschismus und Rechtsextremismus sowie Diskriminierung einerseits und Zivilcourage und gesellschaftliche Verpflichtung andererseits im Gestern und im Heute zu vermitteln. Außerdem soll eine Begleitung an Orten ehemaliger Außenlager darauf abzielen zu verdeutlichen, dass sich die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Außenlager nicht außerhalb ihrer eigenen Umgebung abspielte, sondern mit dieser eng verwoben war und ist. An den Orten der ehemaligen Außenlager ist der regionalgeschichtliche Bezug deutlich stärker und das System des KZ Mauthausen wird deutlich sichtbarer als bei einem bloßen KZ-Gedenkstätten Besuch in Mauthausen. Das Interesse an Geschichte ist immer dann am größten, wenn die eigene Erfahrungswelt betroffen ist.

Durch die Einbeziehung der ehemaligen Außenlager des KZ Mauthausen wird erreicht, dass sich die Anzahl der Jugendgruppen nicht nur auf die KZ-Gedenkstätte Mauthausen konzentriert, sondern sich auch regional verteilt. Für viele Jugendgruppen verkürzt sich dadurch auch der Anfahrtsweg sehr deutlich.

Begleitungen an den Orten ehemaliger Außenlager ermöglichen neben einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Mauthausen eine weitere Sensibilisierung für die im Kontext mit dem KZ-Mauthausen und seiner Geschichte stehenden Problematiken.

Hintergrundbild