KZ-Außenlager Gunskirchen

Gründung des Konzentrationslagers

Der Lageraufbau im sogenannten „Forst Hochholz“ begann ab Dezember 1944 durch KZ-Häftlinge aus dem KZ-Außenlager Wels I. Als Gründungsdatum haben Historiker den 12. März 1945 festgelegt. Mit dem 28. März 1945 wurde Gunskirchen als eigenständiges KZ-Außenlager geführt.

Lokalisierung

Für das Lagergelände wurde ein ganzes Waldstück gerodet, welches sich zwischen den Gemeindegrenzen Gunskirchen und Edt bei Lambach befand. Das Holz der gefällten Bäume wurde zum Bau der Baracken verwendet. Heute erinnert ein Gedenkstein an der Straße, die in Richtung des Ortsteils Saag führt, an die Befreiung des Lagers. Das KZ-Außenlager Gunskirchen bestand im Endausbau aus 11 Baracken (Luftaufnahme der US-Aufklärung vom 20. April 1945), eine davon war die Unterkunft der SS. In Hinblick auf die Barackengröße kann davon ausgegangen werden, dass das Lager für maximal 4.500 Personen ausgelegt war, interniert waren aber zeitweise dreifach so viele Menschen.

Informationen über die Häftlinge

Die zum Aufbau des Lagers ab Ende 1944 eingesetzten Häftlinge (ca. 400) waren polnischer, französischer, belgischer und russischer Herkunft und wurden in der örtlichen Volksschule untergebracht. Der Kommandant des Konzentrationslagers Mauthausen beschloss am 14. April 1945, dass die Häftlinge, die im Zeltlager in Mauthausen interniert waren, nach Gunskirchen überstellt werden sollten. Diese Transporte können durch Aufzeichnungen der Gendarmerie-Dienststellen sowie aus Berichten von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der Lokalbevölkerung nachgewiesen werden. Viele der Häftlinge wurden nicht mehr namentlich registriert, die genaue Zahl ist unbekannt. Schätzungen zufolge waren bis zu 20.000 Häftlinge im Konzentrationslager Gunskirchen interniert. Neben den vielen unregistrierten Häftlingen aus dem Zeltlager wurden auch registrierte jüdische Häftlinge aus dem Frauenkonzentrationslager Mauthausen ins Außenlager Gunskirchen verlegt. Überwiegend waren es ungarische Juden vom „Süd-Ost-Wall“, die im Außenlager Gunskirchen interniert waren. Eine nicht bekannte Zahl von Häftlingen der Todesmärsche wurden nicht nach Mauthausen beordert, sondern wurden schon ab der Abzweigung in der Nähe von St. Florian direkt nach Gunskirchen getrieben. Viele der Häftlinge starben bereits während der Todesmärsche, nach der Ankunft in Gunskirchen starben pro Tag bis zu 200 Häftlinge. Ursachen dafür waren unter anderem die beabsichtigte mangelhafte Verpflegung, eine ausgebrochene Typhusepidemie und die Misshandlungen durch die SS.

Zwangsarbeit

Die KZ-Häftlinge wurden nicht mehr zur Zwangsarbeit geführt, sondern bei minimaler Versorgung und unter katastrophalen sanitären Bedingungen mehr oder weniger sich selbst überlassen. Sie wurden somit, abgesehen von der Lageraufbauzeit, zu keinen Arbeiten eingesetzt.

Bewachung

SS‐Hauptsturmführer Karl Schulz war der letzte SS‐Kommandant des KZ-Außenlagers Gunskirchen. Ab Dezember 1944 war der stellvertretende Kommandoführer Heinrich Häger. Die Wachmannschaften stammten zum größten Teil aus Oberösterreich. Lagerarzt war der SS-Obersturmbannführer Dr. Hermann Richter. Laut Zeugenaussagen wurde bereits am 3. Mai 1945 bekannt, dass das KZ-Außenlager den Amerikanern übergeben wird. Ein Großteil der Bewacher setzte sich daraufhin in Zivilkleidung ab.

Befreiung

Wenige Tage vor der Befreiung wurden noch KZ-Häftlinge ins KZ-Gunskirchen überstellt, mit dem Auftrag, die Leichen notdürftig zu bestatten. Trotzdem war das Konzentrationslager bei der Befreiung übersät mit toten Häftlingen. Die 71. US‐Infanteriedivision besetzte am 4. Mai 1945 den Ort Gunskirchen, einen Tag später befreiten mehr als 1.300 US‐Soldaten das dortige Häftlingskommando. Das KZ-Außenlager im Wald wurde erst in diesen Tagen entdeckt. Bei der Befreiung wurden von den US‐Soldaten 5.419 Überlebende registriert. Ca. 3.000 Überlebende hatten das KZ vor Ankunft der US‐Truppen verlassen. Zwischen 2.700 und 5.000 Häftlinge haben im KZ-Außenlager Gunskirchen ihr Leben verloren. Viele, die die Befreiung überlebten, kamen danach an den Folgen der katastrophalen Zustände im KZ Gunskirchen um.

Gedenken und Erinnern

Heute erinnern ein Denkmal an der Straße, die in Richtung des Ortsteils Saag führt, sowie ein Gedenkstein mit Gedenktafel am ehemaligen Lagergelände an das grausame Konzentrationslager. Das Mauthausen Komitee Österreich veranstaltet jährlich in Kooperation mit den lokalen Initiativen eine Befreiungsfeier zum Gedenken an die Opfer. Der „Walk of Solidarity“ findet seit 2017 vor der Befreiungsfeier zum Ort des ehemaligen KZ Gunskirchen statt. Zum Gedenken an die Opfer und zur Befreiung des KZ-Außenlagers begehen seitdem jedes Jahr KZ-Überlebende mit ihren Anverwandten und Nachkommen, Jugendliche, Mitglieder des Comité International de Mauthausen, der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen sowie des Mauthausen Komitees Österreich das Gelände des ehemaligen KZ Gunskrichen. Die Terminvorschau ist unter Programm der Gedenk- und Befreiungsfeiern verfügbar.

Fotos (Aktuell, Historisch, Topografie und Luftaufnahmen)

Gedenkstein bei der Bundesstraße
Gedenkstein bei der Bundesstraße
Gedenkstein
Gedenkstein
Latrine
Latrine
Gelände des ehem. Todeshügel
Baracke von innen, Mai 1945
Befreiter Häftling
Befreier mit Überlebenden, Mai 1945
Baracke von innen, Mai 1945
Befreite Frauen
Befreite Häftlinge verlassen das Lager
Befreite Kinder und Frauen
Leichen von Häftlingen, Mai 1945
Leichen von Häftlingen, Mai 1945
Zwei befreite Häftlinge, Mai 1945
Leichen von Häftlingen
Luftbild der US Army vom 20.04.1945 13.00 Uhr
Einmessung der Baracken des ehemaligen KZ Gunskirchen - Luftbild der US Army vom 20.04.1945 - 13 Uhr
Luftbild der US Army vom 20.04.1945 13.00 Uhr
Einmessung der Baracken des ehemaligen KZ Gunskirchen
Einmessung der Baracken des ehemaligen KZ Gunskirchen
Einmessung der Baracken des ehemaligen KZ Gunskirchen - Luftbild der US Army vom 20.04.1945 - 13 Uhr
Skizze des ehem. KZ Gunskirchen vom KZ-Überlebenden Dr. Bacs Bal
Kataster 1:1.000; gedenkstein an der Bundesstraße: Grundstück 788/2
Überblick 1:5.000 mit GPS-Daten; 1:Memorial Gedenkstein beim ehem. Lagereingang, 2: ehem. Lagergelände, 3: Gedenkstein an der Bundesstraße
Katasterüberblick 1:5.000; Memorial Gedenkstein beim ehem. Lagereingang: Grundstück 113/1; ehem. Lagergelände: großteils Grundstücke 111/1 und 112/3 und 113/1; Gedenkstein an der Bundesstraße: Grundstück 788/2
Katasterplan 1:1.000, ehem. KZ-Lagergelände großteils Grundstücke 111/1 und 112/3 und 113/1; An der Vegetation sind deutlich die ehem. Standorte der Baracken erkennbar
Interview mit Daniel Chanoch (KZ-Überlebender) © MKÖ
Interview mit Jehuda Gurwich (KZ-Überlebender) © MKÖ
"Walk of Solidarity" im ehem. KZ-Außenlager Gunskirchen © MKÖ
Interview mit Shaul Schpilmann (KZ-Überlebender) © MKÖ
KZ-Überlebender Shaul Schpilmann über den Todesmarsch nach Gunskirchen © MKÖ
KZ-Überlebender Shaul Schpilmann: "Ich glaube, das war Schicksal und Glück." © MKÖ