KZ-Außenlager Loibl Süd

Gründung des Konzentrationslagers

Das KZ-Außenlager am Loiblpass wurde am 3. Juni 1943 gegründet und befand sich auf der Südseite des Loiblpasses im heutigen Slowenien. Ziel der „Universale Hoch- und Tiefbau AG“, die das Bauprojekt 1943 übernahm, war die Errichtung eines wintersicheren Straßentunnels. Dafür wurden von der SS gegen Bezahlung KZ-Häftlingeals Arbeitskräfte an die Firma überlassen.

Lokalisierung

Auf der slowenischen Seite des Loibls wurde nahe dem Tunneleingang ein Barackenlager errichtet. Der Bau des Tunnels erfolgte gleichzeitig von Süden und Norden. Die Lager für KZ-Häftlinge, SS sowie für Zivilarbeiter wurden deshalb in der Nähe der Tunneleingänge errichtet.
Die Toten des KZ-Lagers wurden auf Eisenbahnschwellen über einer Grube verbrannt.

Informationen über die Häftlinge

Die größte Häftlingsgruppe in den KZ-Außenlagern am Loiblpass waren die Franzosen. Die rund 500 Gefangenen aus Polen bildeten wahrscheinlich die zweitgrößte Gruppe. Neben ca. 150 russischen und etwa 124 jugoslawischen Häftlingen waren noch kleinere Gruppen aus verschiedenen Ländern interniert. Viele der französischen Häftlinge wurden als „politische“ eingestuft, als „kriminell“ wurden ca. 30 bis 40 deutsche und österreichische Häftlinge kategorisiert. In den KZ-Außenlagern Loibl Süd und Loibl Nord waren insgesamt ca. 1.650 Häftlinge interniert. Für den Gesamtstand von 1.800 Häftlingen fehlen noch um die 60 Häftlinge aus dem Geiselgefängnis in Begunje, die jedoch nicht namentlich erfasst wurden. Weiters wurden rund 80 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Klagenfurt Lendorf im Mai 1945 Richtung Loibl in Marsch gesetzt. Im August 1944 wurde der Häftlingshöchststand mit ca. 1.300 Internierten erreicht. Die genaue Häftlingszahl des Südlagers ist nicht bekannt. Neben den KZ-Gefangenen wurden zum Bau des Tunnels auch zivile Arbeitskräfte eingesetzt (740), darunter 47 aus Österreich und Deutschland, 596 aus Slowenien, 75 aus Kroatien und 22 aus Italien. Viele der Arbeitskräfte aus Slowenien und Kroatien wurden zwangsverpflichtet und es bestanden Verbindungen mit Partisanen.

Zwangsarbeit

Die Häftlinge der beiden KZ-Außenlager hatten an der Scheitelstrecke des Loiblpasses den 1.542 m langen Straßentunnel zu graben. Der Bau des Tunnels ging ab dem Zeitpunkt der Einrichtung rasch voran. Am 4. Dezember 1943 fand bereits der Tunneldurchbruch durch den Kärntner Gauleiter Friedrich Rainer im Rahmen einer Feier statt. Um den restlichen Tunnelbau zu beschleunigen, wurde auf die „üblichen Sicherungsmaßnahmen“ verzichtet. Ein Jahr später konnte der erste Militär-LKW den provisorischen Tunnel befahren. Im Herbst 1944 gab es Bestrebungen, den Bau des Tunnels einzustellen, er wurde aber bis Anfang Mai 1945 fortgesetzt. Einer der Gründe war die Bedeutung des provisorisch eingerichteten Tunnels für den Rückzug der deutschen Wehrmacht aus dem Balkan. Die schwere Arbeit und die mangelhafte Ernährung erschwerten die Arbeits- und Lebensbedingungen in den KZ-Außenlagern am Loiblpass. Ca. 40 Häftlinge kamen hier ums Leben. Von 26 nachgewiesenen Fluchtversuchen verliefen durch die Hilfe der Partisanen sowie der örtlichen Bevölkerung 21 erfolgreich.

Bewachung

Die Wachmannschaften der KZ-Außenlager am Loiblpass rekrutierten sich aus 100 Männern der 33.SS/T.‐Sturmkompanie Mauthausen sowie aus 125 Angehörigen der Polizei und Gendarmerie. Der erste Kommandoführer Julius Ludolph wurde Ende Juli 1943 durch SS-Obersturmführer Jakob Winkler ersetzt, nachdem Beschwerden von zivilen Bauingenieuren gegen ihn erhoben wurden. Die leitenden Angestellten der staatlichen Bauleitung und der „Universale Hoch- und Tiefbau AG“ waren NSDAP-Mitglieder. An den Zufahrtsstraßen zum Loiblpass gab es, sowohl auf der Süd- als auch auf der Nordseite, mehrere stationäre Wachposten. Lagerarzt war Sigbert Ramsauer. Er tötete kranke KZ-Häftlinge durch Benzininjektionen. Im Zuge der Kriegsverbrecherprozesse wurde Jakob Winkler hingerichtet und Sigbert Ramsauer zu lebenslanger Haft verurteilt, von denen er sechseinhalb Jahre absaß.

Befreiung

Der reguläre Arbeitseinsatz erfolgte bis Mai 1945. Die Häftlinge des KZ-Außenlagers Loibl Nord wurden wegen anhaltender Partisanentätigkeit am 15. April 1945 in das KZ Loibl Süd verlegt und das „Nordlager“ geschlossen. Im KZ Loibl Süd wurde der 5. Mai 1945 von den Internierten als „letzter Arbeitstag” beschrieben. Die KZ-Häftlinge, die noch im Stande waren zu gehen, mussten am 7. Mai 1945 zu Fuß westwärts marschieren. Am 8. Mai wurden die KZ-Häftlinge kurz vor Feistritz von den partisanen befreit und die SS-Elite setzte sich in Zivilkleidung vom KZ Loibl Süd durch den Tunnel in Richtung Klagenfurt ab. Diese „Flüchtlinge” kamen teilweise nur bis zur Draubrücke, wo sie von Partisanen bzw. ehemaligen KZ-Häftlingen identifiziert und zur Festnahme übergeben wurden. Einigen SS-Angehörigen gelang es allerdings, im allgemeinen Chaos unerkannt zu bleiben oder sofort wieder die Flucht zu ergreifen. Nur wenige hatten sich später vor einem Gericht für ihre Taten zu verantworten.

Gedenken und Erinnern

Auf dem Gelände des ehemaligen Zivilarbeiterlagers wurde 1954 von der slowenischen Regierung ein Mahnmal errichtet. Das Areal, auf dem das KZ-Außenlager stand, wurde zum Denkmal erklärt und eine Gedenkstätte mit zahlreichen Tafeln wurde errichtet. Jedes Jahr im Juni findet nach der Gedenkveranstaltung des KZ-Außenlagers Loibl Nord auf der Kärntner Seite auch eine auf der slowenischen Seite statt. Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška organisiert die Gedenk- und Befreiungsfeier. Den Termin finden Sie im Programm der Gedenk- und Befreiungsfeiern.

Fotos (Aktuell, Historisch, Topografie und Luftaufnahmen)

Tatort Loibltunnel © ORF