KZ-Außenlager Melk

Gründung des Konzentrationslagers

Im Zuge der verstärkten Rüstungsanstrengungen im Dritten Reich wurde auch das KZ-Außenlager Melk am 20. April 1944 gegründet. Am Tag darauf trafen die ersten Häftlinge (500) aus dem KZ Mauthausen ein. Unter der Tarnbezeichnung „Quarz“ begann der Bau der Stollenanlage in Roggendorf sowie die Einrichtung des Konzentrationslagers in der „Freiherr von Birago“-Kaserne in Melk.

Lokalisierung

Das Konzentrationslager befand sich in der „Freiherr von Birago“- Kaserne, welche am Rande der Stadt Melk gelegen war. Die KZ-Häftlinge mussten die Kasernenbauten um zusätzliche Baracken erweitern. Mehr als 10.000 Menschen wurden im Jänner 1945 in die 18 Wohnbaracken gepfercht. Für ihre Arbeitseinsätze wurden die KZ-Häftlinge quer durch die Stadt zum Haltepunkt Melk (ca. 200m östlich des heutigen Bahnhofes) getrieben. Von dort wurden sie mit dem Zug ins ungefähr sechs Kilometer entfernte Roggendorf gebracht.

Informationen über die Häftlinge

Insgesamt waren im KZ-Außenlager Melk über 14.390 Häftlinge interniert. Ungefähr 30 % von ihnen waren nach der Kategorisierung der Nazis jüdisch. Die größeren Häftlingsgruppen kamen aus Polen, Ungarn, Frankreich, der Sowjetunion, Deutschland, Italien, Griechenland und Jugoslawien. Die katastrophalen Zustände im Lager und bei den Arbeitseinsätzen forderten unzählige Opfer. Mehr als 4.880 Menschen starben im KZ-Außenlager Melk. Die Toten wurden sowohl vor als auch nach der Fertigstellung des Krematoriums in Gruben verscharrt. Wegen der steigenden Todeszahlen und der hohen Krankenrate wurden laufend neue Häftlinge überstellt. Der Höchststand wurde im Jänner 1945 erreicht und betrug 10.314 Männer. Insgesamt verloren fast 5.000 Häftlinge im KZ Melk ihr Leben, wobei die höchste Todesrate in den Monaten des Jahreswechsels von 1944 auf 1945 zu verorten ist.

Zwangsarbeit

Neben dem Auf‐ und Ausbau des Lagers wurden die Häftlinge zum größten Teil für den Bau der Stollenanlage in Roggendorf eingesetzt. Außerdem mussten sie Arbeiten beim Siedlungsbau, bei Hochwasserschutzbauten, dem Wasserleitungsbau, bei Kabellegung und der Fertigung von Rundholz verrichten. Die Stollenanlage wurde zur Verwendung als unterirdische Produktionsanlage für die Steyr‐Daimler‐Puch AG errichtet. Die Arbeiten in der Stollenanlage waren in Schichten ‐ anfangs in zwei und später in drei ‐ eingeteilt, die Arbeitszeit betrug acht Stunden. Im Dezember 1944 wurde in den schon fertigen Stollen mit der Produktion im Wälzlagerwerk begonnen. Mitte April 1945 waren zwei Drittel der geplanten Stollen ausgebrochen, ein Drittel betoniert und 7.880 m² als Produktionsfläche fertiggestellt.

Bewachung

Der erste Lagerkommandant im KZ-Melk war Anton Streitwieser. Er wurde jedoch nach kurzer Zeit durch SS-Obersturmführer Julius Ludolph ersetzt und als Lagerführer ins KZ-Schwechat überstellt. Der Großteil des Bewachungspersonals setzte sich aus Angehörigen der Luftwaffe zusammen, nur ein kleiner Teil bestand aus SS-Männern. Die 500 Soldaten der Luftwaffe wurden im Herbst 1944 zur SS überstellt. Der SS-Krankenpfleger Gottlieb Muzikant ermordete Schwerkranke durch Herzinjektionen. Sowohl Streitwieser (Landesgericht Köln) als auch Ludolph (US-Trial Dachau) und Muzikant (Landesgericht Fulda) wurden wegen ihrer schweren Verbrechen im Rahmen von Nachkriegsprozessen verurteilt. Der von der Luftwaffe abkommandierte Lagerarzt Dr. Josef Sora setzte sich für das Wohl der Häftlinge ein.

Schließung

Am 11. April begann die Evakuierung mit der Rücküberstellung von 1.500 kranken und jugendlichen Häftlingen in das KZ Mauthausen. Zwei Tage später, am 13.April 1945 wurden 2.000 Häftlinge mit der Eisenbahn in das KZ Ebensee überstellt, eine zweite Gruppe wurde mit Frachtkähnen nach Linz transportiert und musste von dort zu Fuß nach Ebensee marschieren. Der letzte Transport in Richtung Ebensee verließ Melk am 15. April. Mindestens 30 marschunfähige KZ-Häftlinge wurden noch im Lager ermordet.

Gedenken und Erinnern

Bereits 1949 ließ die französische Amicale de Mauthausen einen Gedenkstein anbringen. Die Republik Österreich erklärte 1962 das ehemalige Krematoriumsgebäude zu einem öffentlichen Denkmal. Seit 1992 ist hier eine Ausstellung über die Geschichte des KZ-Außenlagers zu sehen. 2002 wurde im Stadtzentrum ein Denkmal errichtet und ein Platz nach Dr. Josef Sora benannt. Die jährliche Gedenkfeier wird vom Verein MERKwürdig in Kooperation mit dem Mauthausen Komitee Österreich organisiert. Der Termin steht im Programm der Gedenk- und Befeiungsfeiern.

Fotos (Aktuell, Historisch, Topografie und Luftaufnahmen)

Modell des KZ-Außenlagers in der Kaserne
Kaserne Objekt 10 (früher Aufnahmeraum des KZ Melk) Inschrift „Arbeit macht frei“
Kaserne Objekt 10 (früher Aufnahmeraum des KZ Melk) Inschrift „Arbeit macht frei“
Dr. Josef Sora - Denkmal
Dr. Josef Sora - Denkmal
KZ-Gedenkstätte Melk - Eingang
ehem. Krematorium / KZ-Gedenkstätte
Gedenkstätte / ehem. Verbrennungsofen
Stollen B, 1980er Jahre
Julius Ludolph, ehem. Lagerleiter
Donau bei Melk
Donau bei Melk
KZ Melk - Baracke
neu angekommene KZ-Häftlinge, 1944‐1945
neu angekommene KZ-Häftlinge, 1944‐1945
 „Die Suppe in den Stollen“ von Daniel Piquée‐ Audrain
aus Melk ins KZ Mauthausen überstellte Häftlinge, 1944 - Foto: Paul Ricken
aus Melk ins KZ Mauthausen überstellte Häftlinge, 1944 - Foto: Paul Ricken
Krematorium
Krematorium
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Begräbnis von SS‐Männern nach Bombenangriff 11.7.1944
Verhaftung ehem. Lagerleiter Julius Ludolph, Mai 1945
Verhaftung ehem. Lagerleiter Julius Ludolph, Mai 1945
Überblick 1:5.000 mit GPS-Daten; 1: ehem. Krematorium/ Gedenkstätte 2: ehem. Appellplatz/ Aufmarsch der Kaserne
Katasterplan 1:1.000; KZ-Außenlager Melk
Zwangsarbeit für die Kriegsmaschinerie - KZ-Überlebender Franz Schikora ©ORF
KZ-Überlebender Shaul Schpilman über das KZ Melk © MKÖ
KZ-Überlebender Shaul Schpilmann in Wien bei der Einweihung der "Steine der Erinnerung" für seine Eltern © MKÖ
Heimat Fremde Heimat - KZ-Außenlager Begleitung in Melk © ORF
Interview mit KZ-Überlebenden Shaul Schpilmann © MKÖ