KZ-Außenlager Schloss Lannach

Gründung des Konzentrationslagers

Schloss Lannach war im Besitz von Franz Kandler, der dieses bereits unmittelbar nach dem Anschluss an die SS-Verfügungsgruppe – sie zog am 14. Mai 1938 in Lannach ein – verpachtete. Ein Beleg für einen Eigentumswechsel existiert nicht. Man fand jedoch heraus, dass im Juli 1943 zwischen der SS und Kandler Kaufverhandlungen geführt wurden. Da sich Kandler weigerte, seinen Gutsbesitz an die SS zu verkaufen, wurde er im September 1944 beschlagnahmt.

Lokalisierung

Schloss Lannach liegt am östlichen Ortsausgang auf einer kleinen Anhöhe, ist jedoch viel näher am Ortskern als z. B. Schloss Mittersill. Wahrscheinlich wurden die Häftlinge im ehemaligen „Schüttboden“ des Schlosses einquartiert – heute dient dieser Bereich als Seminarraum.

Informationen über die Häftlinge

Ende März 1944 wurden neun Zeuginnen Jehovas von Schloss Mittersill im Pinzgau nach Schloss Lannach überstellt. Vier von ihnen (Deutsche) waren bereits ab 1937 inhaftiert (wahrscheinlich bereits im KZ Lichtenburg und dann im KZ Ravensbrück), was sich anhand der niedrigen Häftlingsnummern nachvollziehen lässt. Es existieren nur wenige Akten und Dokumente über die neun Frauen, die nach Lannach überstellt wurden. Den spärlichen Aufzeichnungen zufolge, waren die Frauen allesamt Bibelforscherinnen. Die Herkunftsländer waren Deutschland, Böhmen, Mähren und Polen. Das Durchschnittsalter der Frauen betrug bei der Überstellung nach Lannach 44 Jahre.

Zwangsarbeit

Hauptsächlich wurden die Frauen im SS-eigenen Versuchslabor sowie in der Landwirtschaft eingesetzt. Dort, wo sich heute das Lagerhaus Lannach befindet, waren die Felder, das Glashaus und die Versuchsanstalt angesiedelt. In Zweierreihen wurden die Frauen von einem Wachmann vom Schloss zur jeweiligen Arbeitsstelle gebracht. Auf den Feldern arbeiteten die Bibelforscherinnen mitunter mit der Zivilbevölkerung oder anderen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern zusammen.

Bewachung

Die Zeuginnen Jehovas waren dafür bekannt, keine Fluchtversuche zu starten. Deshalb war keine Bewachung nötig und die SS‐Aufseherin Emma Raabe wurde schon bald aus Lannach abgezogen. Eine Zeitzeugin berichtete allerdings von einem männlichen Bewacher.

Befreiung

Alle neun weiblichen Häftlinge konnten am 9. Mai 1945 von der Roten Armee befreit werden.

Gedenken und Erinnern

Schloss Lannach ist heute Sitz des Pharmaunternehmens der Familie Bartenstein. Es existiert kein Erinnerungszeichen.

Fotos (Aktuell, Historisch, Topografie und Luftaufnahmen)

Schloss Lannach
Überblick 1:5.000 mit GPS-Daten, 1=Schloss Lannach
Katasterüberblick Schloss Lannach 1:5.000
Katasterplan 1:1.000 Schloss Lannach sowie die umgebenden Grundstücke befinden sich im Privatbesitz (Familie Bartenstein)